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Verhaltensmedizinische Prävention und Therapie des Typ-2-Diabetes

Kulzer B, Hermanns N., Maier B., Haak T.

MEDIAS 2 ist ein ambulantes Schulungs- und Behandlungsprogramm für Typ-2 Diabetiker im mittleren Lebensalter und wurde im Auftrag und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF, früher BMFT) vom Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim e.V. in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Klinische Psychologie der Universität Bamberg entwickelt. Die Ergebnisse der MEDIAS 2 Evaluationsstudie wurden erstmals 1996 auf der 31. DDG Jahrestagung präsentiert. 2001 erfolgte die Publikation in der Zeitschrift Praxis der klinischen Verhaltensmedizin und Rehabilitation. Eine englischsprachige Publikation erfolgte 2007 in der Zeitschrift Diabetic Medicine. Auswertungen zu einzelnen Aspekten der Effektivität von MEDIAS 2 (Gewichtsabnahme; Reduktion depressiver Symptome) wurden 2006 auf der DDG-Jahrestagung in Leipzig präsentiert, die Ergebnisse der Evaluation der 8-Stunden-Version 2005 auf der DDG-Jahrestagung in Berlin.

Die Mergentheimer Diabetes Studie

Die Effektivität von MEDIAS 2 wurde in einer randomisierten prospektiven Therapievergleichsstudie („Verhaltensmedizinische Prävention und Behandlung des Typ 2-Diabetes“), die in Zusammenarbeit mit dem Biometrischen Zentrum der Universität Heidelberg durchgeführt wurde, evaluiert. Das Untersuchungsgebiet dieser Evaluationsstudie umfasste ein Gebiet mit ca. 456.000 Einwohnern. Alle dort 298 niedergelassenen Hausärzte und Internisten wurden besucht, informiert und um eine Kooperation als Studienpartner gebeten. Erfreulicherweise erklärten sich die meisten der befragten Ärzte zu einer solchen Kooperation bereit und wiesen zu dieser ambulant durchgeführten Studie Patienten zu.

Umfassende Evaluierung

Die zentralen Evaluationskriterien war die Verbesserung der glykämischen Kontrolle und eine Reduktion des Körpergewichts im 1-Jahres-Follow-up nach Beendigung des Schulungs- und Behandlungsprogramms.

Daneben wurden eine Reihe weiterer Qualitätsindikatoren bestimmt. Hierzu gehören u.a. der Lipidstatus, psychosoziale Variablen (z.B. Diabeteswissen, psychische Befindlichkeit und psychologische Determinanten des Essverhaltens), konkrete diabetesbezogene Verhaltensweisen (wie Stoffwechselselbstkontrollen, Bewegungsverhalten, diabetische Fußpflege) sowie sozioökonomische Variablenwie Arzneimittelkosten, Kosten für stationäre Behandlung und die Kosten für eine Insulintherapie (Sekundärversagen).

Die Ergebnisse

Erfreulicherweise konnten 93,7% der auf die verschiedenen Behandlungsprogramme randomisierten Patienten im 1-Jahres-Follow-up nachuntersucht werden, so dass die Studienergebnisse zuverlässig interpretierbar sind. MEDIAS 2 erwies sich insgesamt als sehr effektives Schulungs- und Behandlungsprogramm. Es zeigte sich, dass mit MEDIAS 2 eine deutliche Verbesserung der glykämischen Kontrolle erzielt werden konnte (ausschließlich Schulungseffekt).

 
Tabelle 1: Effektivität von MEDIAS 2: Vergleich Baseline-Erhebung und 1-Jahres-Follow-up (falls nicht anders vermerkt: Signifikanzangaben sind Ergebnis eines t-Tests für abhängige Messungen)

Die Teilnehmer von MEDIAS 2 wiesen nach 15 Monaten eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 2,4 kg auf. Im Fragebogen zum Essverhalten zeigte sich, dass MEDIAS 2 Teilnehmer nach Abschluss des Programms besser in der Lage waren, ihr Essverhalten zu kontrollieren und es zu weniger ungeplantem Essen bedingt durch Außenreize oder Hungergefühle kam. Ebenso zeigte sich ein signifikanter Zuwachs des Diabeteswissens sowie eine Verbesserung der psychischen Befindlichkeit (Abnahme von Angst- und Depressionsscores). Diabetesbezogene Verhaltensweisen wie regelmäßige Stoffwechselselbstkontrollen (Harn- oder Blutzucker) und eine diabetesgerechte Fußpflege verbesserten sich ebenfalls signifikant. Die Analyse der sozioökonomischen Daten (Behandlungskosten zum Zeitpunkt der Katamnese) zeigte eine Reduktion der Tagesbehandlungskosten durch orale Antidiabetika um 0,07 EURO, eine Vermeidung von diabetesbedingten stationären Krankenhausaufenthalten und infolge der relativ geringen Rate von Sekundärversagen einen Aufschub einer kostenintensiveren Insulinbehandlung.